Gedanken

So viel liegt mir am Herzen.

Ich freue mich darauf, dies mit euch zu teilen! 

 

Euer Pfarrer, Dekan Edi Niederwieser



Oster-Nacht-Predigt 2017

 

Als die Nacht zur Mitte gekommen war -

sandte Gott seinen Sohn …

da waren Hirten auf dem Felde und die Herrlichkeit Gottes umstrahlte sie …

 

Am Karfreitag wurde es stockdunkel, wo die Sonne eigentlich im Zenit stehen sollte - mitten am Tag - - und die Gestirne versagten den Schein von der 6. bis zur 9. Stunde!

3 Stunden in der schwärzesten Nacht hängen, das war selbst dem unerträglich, der immer von der Geborgenheit in seines Vaters Hand gesprochen hatte: „ich und der Vater sind eins. - Und ich weiß, dass du mich immer erhören wirst.“

Nun kehrt sich diese tiefe „Wissen“ um Heimat im Vater um in einen Schrei der Verlassenheit. Zuerst das verzweifelte Äußern des urmenschlichen Bedürfnisses nach Überleben: „MICH DÜRSTET!“ – Hatte er nicht schon in einem Voraus-Bild die Samariterin am Brunnen genau zur sengenden Mittagszeit um Wasser gebeten? Die Mutter unter dem Kreuz, die ihn mit ihrer Brust gestillt hat, kann ihm jetzt keinen Becher reichen, zu hoch oben hängt er. Und so saugt der Gottmensch gleichsam vom Schwamm den Essig. Wenn es ums Überleben geht: trinkst du alles. Selbst den Spott-Essig, auch wenn die ganze Kehle schon brennt.

Dann der Schrei: MEIN GOTT MEIN GOTT! WARUM HAST DU MICH VERLASSEN?!!

Doch niemand gibt Antwort.

Nur die Erde steht unter Schock und „meldet“ sich mit einem TERREMOTO (ital. Erdbeben): sie bebt, sodass die Gräber aufspringen, ihre Toten freigeben und der Vorhang des Tempels zerreißt.

Während die Hirten nach Betlehem eilten, „standen die Menschen von Ferne und schauten zu“ heißt es im Bericht des Johannes. Das Licht war ihnen genommen. Gänzlich die Sicht. Kein Komet erleuchtete diesmal das Schwarz mitten am Tag. Was haben sie gesehen? Sie, die das "geschaff'ne Licht" liebten und das von Gott gesandte ablehnten, wie wir selber es im Lied „Ich will dich lieben“ singend zugeben: unsere Schönheit, unsere Erfolge und ach so großen Errungenschaften, unsere Sportlichkeit, die erfolgreichen Betriebe und Unternehmen, unsere Selbstkontrolle ... Eh klar: "alles im 'grünen' Bereich, alles unter Kontrolle."

Doch wie schaut es da und dort hinter den Fassaden in Wahrheit aus?

Wir brauchen das Dunkel nicht erst inszenieren - es ist schon da an allen Ecken und Enden (die ungeklärten Rätsel der Menschheit, der Missbrauch von Religion und Macht als Hintergrund von IS-Terror und zahlreichen Kriegen, die Sinn-, Glaubens- und Lebenskrisen vieler Menschen und damit einhergehend das Dunkel von Depressionen und Suiziden, die vielen Ehescheidungen, Austritte aus der Kirchengemeinschaft, der Konkurs im Unternehmen, der Konkurs der christlichen Werte kaum geschützt von unseren Regierungen und von den Christen selber auch nicht (NOSTRA MAXIMA CULPA), ... man könnte die Liste der "Dunkelpunkte" fortsetzen.

 

Woher nur kann das rettende Licht, die befreiende Tat kommen? Woher?

Das Heil, der Sieg und die Herrlichkeit kommen von unserem Gott!

Im Dunkel zieht man in der Osternacht ins Gotteshaus ein, Grabesstille umgibt die Anwesenden. Erwartungsvolle Anspannung ist spürbar, die auf Erlösung harrt bis zur endlich verkündeten Ankunft des Lichtes - LUMEN CHRISTI!! DEO GRATIAS! JETZT IST ER DA DER RETTENDE SIEG!

 

Es ist etwas Wunderbares, Herold dieses Sieges über Sünde und Tod zu sein zu dürfen.

Zu unserem Heil ist der, die Sünde nicht kannte und dennoch verurteilt wurde, hinabgestiegen ins Schattenreich des Todes, JA zur ,,Hölle" (haben wir vor der Liturgiereform gebetet - was war daran so falsch?), um angefangen bei den Stammeltern Adam und Eva alle heraufzuführen und dem Vater darzubringen. „Keinen, den du mir gabst, hab‘ ich verloren“, zieht der Herr gleichsam „Bilanz“ in seinem testamentarischen hohepriesterlichen Gebet im Johannesevangelium. "Rett' aus Sünden, rett' aus Tod." singen im Lied Großer Gott.

 

Eigentlich sind alle, JEDE(R) EINZELNE hier, Herolde des rettenden Sieges seines Gesalbten.

"Kommt sagt es allen weiter, ruft es in alle Welt hinaus!"

Wie eine verschworene Riege sind wir ganz auf Sieg eingestellt.

Doch dazu muss der Glaube mehr Wert bekommen als bloß die Funktion eines Notaggregates, wenn der Strom ausfällt und wir in höchster Bedrängnis nach dem rettenden Lichtschalter tasten.

Lasst uns auch in frohen Tagen, lasst uns allezeit den Dank an Gott vervielfachen und den Sieg des Lebens über den Tod, des Lichtes über das Stockdunkel und den Sieg der unverlierbaren Hoffnung über alle Enttäuschungen und Niederlagen hinweg feiern und preisen.

 

Auferstehung ist unsre Kraft, auf die wir uns stellen dürfen.

ALLELUJA

 

AMEN


Gedanken zum Karfreitag

(1995 auf dem Gang Ende März durch die Weinberge von Schloss Rametz)

 

„Deutung des Kreuzes“

Ich spaziere durch die Weingärten von Schloss Rametz und beobachte aufmerksam die Details der Weinstöcke, die vor kurzem beschnitten worden sind ….

„Beschneiden“ = d.h. auch weh tun, Schmerz zufügen-,
die Schnittstelle weint, sondert „Tränen“ ab, dicke

Wir haben oft Angst,

dass unsere Kompetenzen, unsere Rechte, unsere elementaren Ansprüche beschnitten werden
dass wir (unsre Kinder) in der Entfaltung beschnitten werden
alle sollen die gleichen Chancen haben
ð haben alle die gleichen Chancen???

Es gibt jedoch die
„Einschnitte“ im Leben:

Ø  Krisen

Ø  Krankheit

Ø  Verlust eines Menschen

Ø  Reisen, die den Horizont verändern und weiten

Ø  Begegnungen, die prägend, „einschneidend“ sind

Ø  Geistliche Exerzitien, die auf den „Grund“ gehen, Veränderung und Bekehrung bewirken

ððð „damit ihr noch mehr Frucht bringt“, werdet ihr beschnitten, obwohl ihr als JüngerInnen schon durch mein Wort rein seid.

Denn „ihr seid die Reben am Stock, der Vater ist der Winzer“.

 

Der Weinstock wird „gezogen“. Die Reben brauchen Kletterhilfen, Steighilfen zu ihrem besseren Wachstum.
In Südtirol war das früher meist die „Pergola“, die Laubenform.
Heute ist es die meist verbreitete Kreuzform mit den Rebzweigen zur Seite hin wie ausgestreckte Arme, um den Sonnenstrahlen freie Bahn zu schaffen -,
dazu die „Ausdünnung“, die Ertragsbeschränkung.

ð das Laub ist „nichtig“: das sind die Nichtig-, Unwichtigkeiten in unserem Leben (persönlich wie in Gemeinschaften); die Nebensächlichkeiten, das allzu Vordergründige.

Die Frage ist:

      Lass ich mich „ziehen“, erziehen von Jesu Vater, dem Winzer (P.S. die jungen Rebstöcke sind zunächst in einer „Schule“, bis sie im Weinberg gepflanzt werden)

      Erachte ich dies als Einschränkung meiner Freiheit oder als Gnade und Chance, als entscheidende Hilfe für mein wahres Wachstum, wenn meine Pläne dabei u.U. „durchkreuzt“ werden?

      Was muss ich bei mir, müssen wir bei uns „ausdünnen“?

      Kommt Gott noch vor in meinem Suchen und Ringen um wesentliche existenzielle Entscheidungen (Liebe, Familienplanung, Berufs- und Partnerwahl …)?

      Was, wenn nicht alle meine „Bäume in den Himmel wachsen“? Wie gehe ich mit der „Ertragsbeschränkung“ um? Sehe ich darin Wachstumschancen für mehr „Qualität“ („werde wesentlich!“)

 

Schließlich:

ER, der Herr, ist ja immer schon am „ziehen“ (auf-ziehen) -
„wenn ich erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen“.

v  Hereinziehen in das nicht von Menschenhand errichtete Haus im Himmel.

Das geht uns manchmal „gegen den Strich“.
Wir machen uns „schwer“ wie kleine Kinder es zum Spaß öfter machen, wenn sie der Vater aufheben will.
Wir sind so „erdverbunden“, „Erden-schwer“, wollen den Himmel hier auf der Erde. Das Jenseits scheint manchem ein schlechter Ersatz zu sein.

Christus hat sich von seinem Vater, dem Winzer „erziehen lassen“, wie die Weinstöcke sich am Draht zu beiden Seiten ausspannen, so hat er seine Arme am Kreuz ausgespannt.
Für diesen grenzenlos vertrauenden Gehorsam wurde er von seinem Vater mit der Auferweckung am dritten Tag belohnt.

Nur und einzig im Blick auf Jesus vermögen wir im Hochgebet zu bitten:

„Gib uns Anteil an Christi Leib und Blut.“
d.h. Lass uns Schicksalsgemeinschaft mit IHM leben,
denn in seiner Gehorsamsschule wachsen wir dem wahren Leben entgegen.

 


Predigt Gründonnerstag 2017

Fresco aus der Kirche Mellaun ob Brixen, von Pfr. E.N.

 

DA ER WUSSTE ...

Dieses „voraus“-Wort begleitet uns beim Evangelisten Johannes immer wieder.

Doch kann man gegen-fragen: Ja warum machst du es dann, wenn du es eh genau weißt, dass diese Sache „schief“ gehen wird.
= es ist die Absurdität der Liebe, die da zur Antwort gibt: WEIL ICH IHN/SIE LIEBE.

 

Wie viel Absurdität in der menschlichen Liebe! "Du hast mich 1000 mal belogen, du hast mich 1000 mal verletzt...." singt Andrea Berg.

Die Absurdität der Liebe besingen sehr viele Schlagertexte und meinen damit das NICHT-LOSKOMMEN-KÖNNEN aus einer oft verletzenden krankhaften Abhängigkeit von einem Menschen, die dann Folgen-schwer in einer Bruchlandung enden kann oder muss. Und dann trotzdem immer wieder in die gleiche Falle tappt, fast süchtig. Beim nächsten Partner drückt man wieder alle Augen zu und streitet alle von außen kommenden Einwände ab. Und wohl auch von „innen“ kommende Zweifel. ‚Dieses Mal würde alles ganz anders sein.‘

 

Absurdität der Liebe!

DA JESUS WUSSTE....

Wie viele Eignungstests für eine Anstellung, wie viele Vorstellungsgespräche, gute Zeugnisse, persönliche Empfehlungen ....

Wie oft wurden wir schon enttäuscht bzw. haben wir uns schon in Menschen getäuscht!

Es ist immer ein Risiko und bleibt ein Risiko. Auf beiden Seiten, und es ist beileibe nicht immer der Angestellte der Versager, sondern manchmal auch der oder die, der Menschen nicht gut zu führen und zu motivieren vermag, der sie vielleicht auch ungerecht behandelt und falsch einsetzt. Oder die Schuld des MA, der seine falschen Vorstellungen nicht revidieren kann und einer unrealistischen Traumvorstellung nachläuft.

 

DA ER WUSSTE. ....

Wir würden ganz bestimmt keinen Haftentlassenen mit einer Inkassoaufgabe betrauen, keinen wegen Missbrauchs Verurteilten in einer pädagogischen Aufgabe einsetzen. Mittlerweile müssen auch alle pfarrlichen MAinnen vom PGR, PKR, Büroangestellten, PAss bis hin zu Mesnern und Jugendführern die Erklärung gegen Missbrauch unterschreiben, das JA zu Datenschutz usw. SICHER IST SICHER. Ist schon irgendetwas sicher außer SEINER Liebe?

 

DA ER WUSSTE UND OBWOHL ER WUSSTE

... dass der Verräter unter den Aposteln war, hat er den Judas zum Mahl ein-, und nicht aus---geladen.

Kann sich jemand von euch noch erinnern, dass wir früher gebetet haben: "dieses Mahl werde mir nicht zum Gericht und zur Verdammnis, sondern zum Segen und Heil"? So ganz verkehrt war das wohl nicht, denke ich.

 

Im Mahl der Eucharistie liefert sich der Herr jedes Mal neu an uns aus. Ist uns das überhaupt so bewusst? Geht es uns durch und durch? ER, der Gottmensch, gibt sich gleichsam in unsere Hand, legt sein „Schicksal“ in unsere Hand. WAS WERDEN WIR DARAUS MACHEN?

"Große" Liebe bedeutet immer "sich ausliefern", sonst ist es nicht Liebe, sondern nur Spiel.

"Du hast uns Menschen dieses Geheimnis anvertraut" heißt es im Hochgebet der Messe. OBWOHL ER WUSSTE, WIE SCHWACH WIR SIND. ...Und dennoch liefert er sich an uns immer neu aus. Bei jedem Kommunionempfang fragt dich der Herr in Brotgestalt: „Weißt du es, bist du dir dessen bewusst? Du hast Mich in der Hand. Ich bin dir ab jetzt total ausgeliefert."

 

Den "Kopf" sollte ER uns waschen, und was wäscht er uns? DIE FÜSSE!

Nein - zu begreifen ist das alles nicht. Petrus greift sich an den Kopf. DAS IST ABSURD! HERR GEH WEG VON MIR! LASS DAS!

Diese Absurdität lässt sich einzig begreifen als Ausdruck der Liebe Gottes zur Welt, die gerettet - nicht gerichtet werden soll.

WEIL ICH EUCH ÜBER ALLES LIEBE!

Und mir kein Preis zu hoch ist.

Alle Enttäuschung-Irrtum-Absurdität ist im KREUZ überwunden hinein in die Auferstehung.

 

DANKE HERR FÜR DEIN UNENDLICH GROßES VERTRAUEN!